Blog | Frauen und Pflege: Wenn Verantwortung zur Dauerbelastung wird

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Pflege beginnt nicht erst im Alter
Wenn von Pflege die Rede ist, denken viele zuerst an ältere Menschen. Doch Pflege betrifft weit mehr Lebenssituationen. Kinder mit chronischen Erkrankungen, Behinderungen oder besonderem Unterstützungsbedarf brauchen oft über Jahre intensive Begleitung. Auch Partner*innen oder Angehörige können durch Krankheit, Unfall oder psychische Belastungen plötzlich auf Unterstützung angewiesen sein. Pflege kann daher in jeder Lebensphase Thema werden, ob kurz oder längerfristig. Es kann unerwartet eintreffen und mit weitreichenden Folgen für das gesamte Umfeld – sowohl privat als auch beruflich.
Frauen übernehmen den Großteil der Sorgearbeit
Noch immer sind es vielfach Frauen, die Betreuung organisieren, Arzttermine koordinieren, Therapien begleiten, Medikamente verwalten, mit Behörden kommunizieren und emotionale Stabilität geben. Diese Aufgaben passieren meist im Hintergrund und werden gesellschaftlich oft als selbstverständlich angesehen.
Dabei ist die Belastung enorm. Rund 75 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Österreich werden zu Hause betreut – überwiegend durch Angehörige. In der häuslichen Pflege liegt der Frauenanteil bei rund 80 Prozent. Diese Zahlen zeigen klar: Pflege ist kein Einzelfall, sondern Alltag für viele Familien – und Frauen tragen dabei einen großen Teil der Verantwortung.
Wenn Vereinbarkeit zur täglichen Herausforderung wird
Besonders herausfordernd wird es, wenn Pflege mit Erwerbsarbeit vereinbart werden muss. Viele Frauen stehen mitten im Berufsleben, wenn ein Kind zusätzliche Unterstützung benötigt oder Angehörige pflegebedürftig werden. Der Alltag wird dann zum Balanceakt zwischen Arbeitsplatz, Betreuung, Haushalt und ständiger Erreichbarkeit.
Was nach außen oft wie gutes Zeitmanagement aussieht, bedeutet in Wahrheit permanente Verantwortung. Termine müssen koordiniert, Entscheidungen getroffen und Bedürfnisse anderer im Blick behalten werden. Für Erholung bleibt kaum Raum.
Nicht selten reduzieren Frauen ihre Arbeitszeit, verzichten auf Karrierechancen oder verlassen vorübergehend den Beruf. Das wirkt sich nicht nur auf das aktuelle Einkommen aus, sondern oft langfristig auf finanzielle Sicherheit, Pension und berufliche Entwicklung.
Natalie F. hat erlebt, wie schnell Pflege zur Dauerbelastung werden kann: „Als meine Mutter pflegebedürftig wurde, war auf den ersten Blick vieles organisiert. Es gab Unterstützung bei der Pflege, trotzdem blieb unglaublich viel an mir hängen – organisatorisch, persönlich und mental. Neben meiner Arbeit war das irgendwann nicht mehr zu schaffen. Ich musste eine Entscheidung treffen und habe meine Anstellung aufgegeben. Natürlich entsteht mit der Zeit eine gewisse Routine. Man begleitet Krankenhausaufenthalte, organisiert Arzttermine, reicht Unterlagen fürs Pflegegeld ein, kümmert sich um Besorgungen und ist ständig erreichbar. Aber ich glaube, man unterschätzt sehr leicht, was Pflege wirklich bedeutet. Es geht nicht nur um einzelne Aufgaben. Es ist eine Verantwortung, die einem 24 Stunden beschäftig.“
Warum viele Frauen ihre Belastung lange übersehen
Viele Betroffene funktionieren über lange Zeit, ohne die eigene Situation zu hinterfragen. Sie wollen stark und für andere da sein, niemanden belasten oder glauben, alles alleine schaffen zu müssen. Gerade Mütter pflegebedürftiger Kinder oder Töchter erleben oft einen hohen inneren Druck, immer verfügbar zu sein.
Oft passiert dies nicht gleich von einem Tag auf den andern. Die Vorzeichen sind oft schon da und meist werde klärende Gespräche innerhalb der Familie hinausgezögert oder vermieden. Die Verantwortung wächst Schritt für Schritt: zuerst ein Arzttermin, dann organisatorische Unterstützung, später regelmäßige Besuche, Anträge, Gespräche mit Einrichtungen und die emotionale Begleitung. Was nach außen oft unsichtbar bleibt, wird im Alltag zur dauerhaften Belastung.
Doch Dauerbelastung bleibt nicht folgenlos. Erschöpfung, Schlafprobleme, Stress, Isolation oder gesundheitliche Beschwerden sind häufige Begleiter und das oft neben der Erwerbstätigkeit. Wer sich selbst dauerhaft an letzte Stelle setzt, zahlt oft einen hohen Preis.
Entlastung ist kein Luxus, sondern notwendig
Pflege darf nicht auf den Schultern Einzelner lasten. Es braucht Strukturen, die Vereinbarkeit ermöglichen. Flexible Arbeitszeiten, Pflegekarenz, mobile Dienste, finanzielle Unterstützungen und eine faire Verteilung innerhalb der Familie können wesentlich entlasten. Besonders Familien mit pflegebedürftigen Kindern brauchen langfristige und verlässliche Lösungen statt kurzfristiger Notlösungen.
Ebenso wichtig ist es, Hilfe rechtzeitig anzunehmen. Unterstützung zu suchen bzw. diese anzunehmen bedeutet nicht, versagt zu haben. Es bedeutet Verantwortung auch für sich selbst zu übernehmen.
Beratung schafft Klarheit und neue Wege
Wer pflegt oder Betreuung organisiert, hat oft viele Fragen. Welche Ansprüche gibt es? Welche Unterstützungen sind möglich? Wie lässt sich Beruf und Pflege vereinbaren? Wo sind Grenzen erreicht? Welche nächsten Schritte sind sinnvoll?
Professionelle Beratung hilft, die eigene Situation zu ordnen, Möglichkeiten sichtbar zu machen und konkrete Entlastung zu schaffen.
Sie müssen das nicht alleine schaffen
Pflege verändert den Alltag oft schneller, als man denkt. Umso wichtiger ist es, frühzeitig Unterstützung zu holen und die eigene Belastung ernst zu nehmen.
ABZ*Beratung für Frauen in Wien Unterstützung für Frauen in unterschiedlichen Lebenssituationen – auch dann, wenn Pflege, Vereinbarkeit oder berufliche Fragen zur Herausforderung werden.
Telefonische Terminvereinbarung jeweils Dienstag und Donnerstag zwischen 9 und 13 Uhr unter der Telefonnummer +43 1 8177344 oder per E-Mail unter beratung12@abz-austria.at.
Die ABZ*Beratung für Frauen wird gefördert durch die Stadt Wien, Frauenservice Wien (MA57).