Wiedereinstieg im Höhenflug

Wiedereinstieg im Höhenflug

Nach der Babykarenz eine neue Karriere starten, und das auch noch in einer Männerdomäne? Das ist möglich, wie das Beispiel von Jennifer Hofer zeigt.

Licht fällt durch die gläserne Decke in den Showroom. Schwarz und grau glänzende Limousinen säumen den Weg zu einem offenen Büroarbeitsplatz mitten im Raum. Eine junge Frau, sitzt vor dem PC, springt auf, begrüßt mich fröhlich mit festem Händedruck: "Hallo, freut mich. Wie wär‘s mit einem Kaffee?" Jennifer Hofer ist Verkäuferin bei Renault Wien. Sie bringt den Dacia Lodgy an die Jungfamilie und den Renault Talisman an die Geschäftsfrau oder den Geschäftsmann. Nicht immer hat die energiegeladene 25-Jährige eine Karriere in der Männerdomäne Autoverkauf angepeilt. Nach der Modeschule machte sie eine Ausbildung zum Make-up-Artist, wechselte dann als Verkäuferin in den Einzelhandel zu einem Tierfutterspezialisten. Nach der Geburt ihres Sohnes vor drei Jahren wechselte sie bald in ein Brautmodengeschäft: "Ich wollte in den gehobenen Verkauf", erzählt sie.

Seit Oktober 2016 ist Jennifer Hofer Autoverkäuferin aus Leidenschaft. Der Spartensprung von Brautkleid zu Auto kam nicht von ungefähr. Hofer besuchte den Kurs von abz*austria "Wiedereinstieg mit Zukunft": "Ich habe beim AMS um diesen Kurs gebeten. Denn eigentlich wollte ich mich beruflich komplett umorientieren und als Eventmanagerin arbeiten." Das viele Reisen erschien ihr mit Kind dann doch schwierig. "Mir hat der Kurs extrem geholfen", erzählt sie. "Im Gespräch mit meinem Einzelcoach Dagmar habe ich herausgefunden, dass Autos mein Hauptinteressensgebiet sind."

Neuanfang nach der Karenz

"Wiedereinstieg mit Zukunft“ richtet sich an Frauen, die ihre Erwerbskarriere wegen der Babykarenz unterbrochen oder noch nicht begonnen haben. Insgesamt 4000 Wiedereinsteigerinnen haben ihn seit Oktober 2013 besucht, pro Woche sind es rund 300 Teilnehmerinnen. Sie haben sehr unterschiedliche Berufserfahrungen, Kompetenzen und Hintergründe – so stammen sie etwa aus 64 Ländern und sprechen 48 Muttersprachen.

"Aus diesen Gründen ist es wichtig, auf die Frauen sehr individuell einzugehen“, sagt abz-Geschäftsführerin Manuela Vollmann. Neben beruflicher Orientierung und Bewerbungstraining wird in bis zu zwölf Wochen auch Einzelcoaching angeboten. Von Beginn an überprüfen die Teilnehmerinnen gemeinsam mit Gruppen- und Einzelcoaching-TrainerInnen ihre Berufsziele auf Realisierbarkeit und auf Auswirkungen auf ihr künftiges Leben.

Kurs mit Mehrwert

Für Jennifer Hofer hat sich der Kurs mehr als ausgezahlt. "Ich habe gelernt, individuell abgestimmte Bewerbungen zu schreiben. Dadurch habe ich diesen Job bekommen, weil meine Bewerbung so positiv aufgefallen ist", erzählt sie. In einer Männerdomäne zu arbeiten und dann auch noch auf Provisionsbasis, macht ihr Spaß: "Ich suche immer neue Herausforderungen."

Im Privatkundensegment von Dacia und Renault ist sie eine von zwei Frauen unter sechs Männern. "Wir zwei Frauen haben im Jänner am meisten Autos verkauft", ist sie sichtlich stolz. Ausgezahlt hat sich der Spartenwechsel dank des abz-Kurses auch monetär: "Ich verdiene heute das Doppelte wie im vorigen Job." Mit 25 hat sie schon in wenigen Monaten einen kontinuierlichen Aufstieg im Unternehmen geschafft – weil sie so gut Autos verkauft. Daher ist sie seit Anfang März nicht nur für die Marke Dacia, sondern auch für Renault zuständig. Demnächst beginnt die talentierte Verkäuferin eine interne Ausbildung in der Flottenakademie, um auch Unternehmen als Kunden zu betreuen. Dann kann das Gehalt noch mehr steigen. Ihr Erfolgsrezept? "Du kannst nur das gut machen, was du wirklich gerne machst."

Für abz*austria sind Role Models wie Jennifer Hofer ein Grund, um das Projekt voller Motivation weiterzuführen: "Unser Ziel ist die langfristige und nachhaltige Integration unserer Teilnehmerinnen in ein Arbeitsleben, das ein existenzsicherndes Einkommen ermöglicht und ihre persönliche Lebensqualität erhöht. Dadurch werden Armut, soziale Ausgrenzung und Diskriminierung bekämpft und geschlechtsbedingte Einkommensunterschiede reduziert", sagt Geschäftsführerin Manuela Vollmann. Ab Ende April kooperiert abz*austria in der nächsten Projektrunde mit dem BFI Österreich.

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