CARE CAFÉ: Gemeinsam Verantwortung neu denken
Wenn der Kopf nie Pause macht
Wer hat den Arzttermin im Blick? Wer plant den Wocheneinkauf, erinnert an Geburtstage, organisiert Betreuung, fängt emotionale Belastungen auf – und erledigt all das oft neben Beruf, Haushalt und eigenen Bedürfnissen? Wer denkt daran, dass morgen Turnsackerl, Jause oder Bastelmaterial gebraucht werden?
Care-Arbeit beginnt selten erst dort, wo etwas sichtbar getan wird. Sie beginnt viel früher: im Mitdenken, Vorausplanen, Erinnern und Organisieren. Genau um diese oft unsichtbare Verantwortung ging es beim ersten Care-CAFÉ von CARE SHIFT am 16. April 2026 am ABZ*AUSTRIA Standort in der Lassallestraße.
In einer offenen und wertschätzenden Atmosphäre kamen zehn externe Teilnehmer*innen mit drei Berater*innen von CARE SHIFT ins Gespräch. Das Care-CAFÉ bildete den Auftakt für die öffentlichen Veranstaltungen im Rahmen von CARE SHIFT – und zeigte schon beim ersten Treffen, wie groß der Wunsch nach Austausch, Reflexion und konkreter Unterstützung ist.
Mental Load und Care-Arbeit sichtbar machen
Der Austausch zeigte deutlich: Mental Load und Care-Arbeit betreffen Menschen auf vielen Ebenen – Multiplikator*innen, Lehrende, Kund*innen, Frauen, Männer, Alleinerziehende und Familien insgesamt. Gleichzeitig wurde sichtbar, wie wichtig es ist, diesen Themen bewusst Raum zu geben.
Dieser Raum wurde von den Teilnehmer*innen aktiv genutzt. Das Feedback machte klar: Der Wunsch nach mehr Austausch, Reflexion und konkreten Unterstützungsangeboten ist groß.
Zwischen Helfen und echter Verantwortung
Ein zentrales Thema des Care-CAFÉs war die Frage, wie Care-Arbeit in Familien tatsächlich fairer verteilt werden kann. Viele Partner*innen wissen bereits, dass sie sich stärker mit Care-Arbeit auseinandersetzen müssen. Gleichzeitig bleibt der Unterschied zwischen „helfen“ und echter Verantwortungsübernahme eine große Herausforderung. Denn Verantwortung übernehmen bedeutet mehr, als einzelne Aufgaben zu erledigen. Es bedeutet auch, mitzudenken, selbstständig zu planen und Aufgaben zu übernehmen, ohne daran erinnert oder kontrolliert werden zu müssen.
Methoden, die zum Nachdenken anregen
Besonders gut kamen die vorgestellten Tools und Methoden an. Dazu zählten der Brain Dump, der Fair Share Planer, das Aufschiebe-Glas und die Tadaa-Liste. Diese Werkzeuge machten sichtbar, wie viele Aufgaben oft im Hintergrund mitlaufen – und wie hilfreich es sein kann, sie bewusst zu benennen und zu strukturieren. Auch die Übung zu Rollenbildern stieß auf großes Interesse. Dabei ging es um die Frage, welche Rollen Menschen neben Familie, Beruf und Care-Arbeit noch einnehmen: Eine Frau ist nicht nur Mutter, sondern vielleicht auch Tochter, Sportlerin, Lehrerin, Ärztin, Künstlerin oder Freundin.
Eigene Rollen wiederentdecken
Gerade diese Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Rollen löste viel Resonanz aus. Mehrere Teilnehmer*innen berichteten, dass solche Aspekte im Alltag oft in den Hintergrund rücken. Gleichzeitig sei es nicht immer einfach, sich wieder an Rollen zu erinnern, die einmal wichtig waren – oder denen man künftig wieder mehr Raum geben möchte.
Care-Arbeit ist nicht nur eine Frage von Aufgabenverteilung. Sie berührt auch Identität, Selbstfürsorge und die Frage, wie Menschen ihr eigenes Leben gestalten können.
Offenheit, Austausch und Interesse an mehr
Die Offenheit der Teilnehmer*innen und das rege Mitmachen prägten die Veranstaltung von Beginn an. Alle Beteiligten konnten gut in den Austausch gehen und verließen das CARE-CAFÉ mit einem positiven Gefühl.
Auch mit Blick auf zukünftige Beratungen wurde Interesse an weiterführendem Austausch deutlich. Das erste Care-CAFÉ hat damit gezeigt: Wenn Care-Arbeit, Mental Load und Verantwortung sichtbar gemacht werden, entsteht ein Raum, der gebraucht wird – und gerne genutzt wird.