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Blog | Fröhliche Akustikerin mit Gespür für Menschen

10.02.2022
Julia Grafhaider lächelt strahlend in die Kamera. Sie trägt ihre Hartlauer-Dienstkleidung

In Julia Grafhaiders Arbeitsalltag dreht sich alles ums Hören. Als Hörakustikerin unterstützt sie ihre Kundinnen und Kunden dabei, das für sie ideale Hörgerät zu finden.

"Ich bin mit mir im Reinen und zufrieden - es hat alles verändert"

Was passiert, wenn man nicht nur seinen Traumberuf, sondern auch noch seine Berufung findet, das zeigt der Werdegang von Julia Grafhaider. Sie hat nicht nur eine 180 Grad-Drehung in ihrer beruflichen Laufbahn gemacht, sondern auch eine persönliche Entwicklung geschafft, wie sie selbst sagt. Gelungen ist ihr das mithilfe des FiT-Zentrums Weinviertel, das ABZ*AUSTRIA im Auftrag des AMS Niederösterreich durchführt.

"Der Vortrag 'Frauen in Technik' hat mich schon einmal im Positiven umgehauen"

Permanenter psychischer Stress und unerträgliche Arbeitsbedingungen - nach Jahren in der Hotellerie war für Julia Grafhaider klar, dass sich etwas ändern muss. Auf eigene Faust hat sie versucht, etwas Neues zu finden, und ist schließlich durch die Vermittlung des AMS im FiT-Zentrum Weinviertel von ABZ*AUSTRIA gelandet. Ein Wink des Schicksals, wie sich später herausstellen sollte. Schon beim Einführungsworkshop hat es Klick gemacht, wie sie berichtet. "Ich wollte etwas finden, wo ich wirklich zufrieden bin und etwas tue, was ich gerne mache. Ich hab davor nie an technische Berufe gedacht, aber ich wollte dem Neuen eine Chance geben und sehen, ob mir die andere Seite vielleicht sogar besser gefällt." Wie viel besser es ihr gefallen wird, ahnte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

"Wir haben uns gegenseitig Kraft gegeben und uns angespornt"

Schon bei der FiT-Perspektivenerweiterung war Julia Grafhaider begeistert. Sowohl die Gruppendynamik als auch die vermittelten Inhalte und der Austausch mit den anderen Frauen haben in ihr Motivation hervorgerufen, wie sie erzählt. "Es gab viele Denkanstöße und mit jedem Input hat man sich sicherer und bestärkt gefühlt, dass man eigentlich in eine super Richtung geht - auch wenn sie im ersten Moment ins Ungewisse führt." Doch lange sollte das Ungewisse nicht anhalten, denn Julia Grafhaider war eine der ersten Teilnehmerinnen, die zum Probearbeiten eingeladen wurde und sich anschließend einen Ausbildungsplatz als Akustikerin bei Hartlauer sichern konnte. "Das Probearbeiten hat gezeigt, dass ich in der Werkstatt wirklich ein Ass bin - das hätte ich mir vorher nicht zugetraut. Dank schulde ich hier dem ABZ*AUSTRIA, weil ich mich von alleine nie getraut hätte, in die Richtung zu gehen."

"Es war wirklich Schicksal, dass sich endlich einmal im Leben alles gefügt hat"

Der Zuspruch im FiT-Zentrum Weinviertel, ihres Auszubildenden und im privaten Umfeld haben sie bestärkt, diesen neuen Weg einzuschlagen. Eineinhalb Jahre später hat sie die Ausbildung abgeschlossen und wurde auch sofort übernommen, wie sie strahlend berichtet. Einfach war es nicht. Lachend erinnert sich Julia Grafhaider, dass sie im ersten der drei zu absolvierenden Themenblöcke "nur Bahnhof" verstanden hat: "Auf den dritten Blick hat sich aber alles wie bei einem Puzzle zusammengefügt". Durch den Unterricht, das Selbststudium und die Unterstützung ihres Ausbildners hat sie sich das Wissen Stück für Stück angeeignet, bis sie die Ausbildung schließlich abschließen konnte.

"Man braucht auf alle Fälle Feingefühl, vor allem weil jeder Mensch anders ist"

Heute dreht sich in ihrem Arbeitsalltag alles ums Hören. Als Hörakustikerin unterstützt sie ihre Kundinnen und Kunden dabei, das für sie ideale Hörgerät zu finden. In der Praxis bedeutet dies, dass sie Hörgeräte reinigt, repariert, anpasst, ausmisst, Tests durchführt und die Kundinnen und Kunden durch den Prozess begleitet. Hört man der motivierten Frau zu, merkt man schnell, dass sie für ihren Beruf brennt und wie umfassend das Wissen ist, das sie für ihren Beruf braucht - technisch, fachlich und auch zwischenmenschlich. Gerührt erzählt die Akustikerin von Kundinnen, deren Geschichten ihr besonders in Erinnerung geblieben sind. Eine Kundin, die beim Ersttermin aufgrund ihrer Höreinschränkung kaum gesprochen hat, ist nach der Probezeit strahlend zum Abschlusstermin gekommen, da sie wieder aktiver am Alltag teilnehmen konnte. "Ich war so überglücklich, wie ich sie gesehen habe, das ist für mich das Wichtigste und Schönste, wenn ich so etwas höre", berichtet sie mit freudiger Stimme. Mit einer anderen Kundin, die an der Taubheitsgrenze war und alte Hörgeräte hatte, konnte sie sich zunächst nur schriftlich verständigen. Nachdem die neuen Geräte angepasst waren, strahlte auch diese Kundin sie an und sagte überglücklich "Danke". Ein Moment, der die Akustikerin besonders berührte. "Ich bin danach vor Freude in Tränen ausgebrochen, weil sie so glücklich war", erinnert sie sich und wird immer noch sentimental, wenn sie darüber spricht.

"Es ist ein toller Beruf. Wenn ich merke, dass ich jemandem helfen konnte - das ist schön"

Begegnungen wie diese zeigen, dass Julia Grafhaiders Beruf im wahrsten Sinne des Wortes lebensverändernd sein kann - Menschen nehmen wieder aktiver am Leben teil. Dass Hörgeräte dabei in der Gesellschaft noch ein Tabuthema sind, stößt bei ihr auf Unverständnis. "Ein Hörgerät ist im Grunde wie eine Brille - wieso sollte man sich schämen, dass man schlechter hört?" Hier versucht sie vor allem, ihren Erstkunden die Scheu und Skepsis zu nehmen.

"Immer am Ball bleiben, das erleichtert vieles"

Am Ball geblieben ist auch Julia Grafhaider. "Als ich das Zertifikat in der Hand hatte, hab ich mir gedacht: Wow, du hast es wirklich geschafft. Da war ich schon stolz auf mich. Ich hätte nicht gedacht, dass ich es so gut hinbekomme. Es war nicht immer leicht, aber genau das hab ich gebraucht." Wer so viel Tatendrang versprüht, hat auch sicher viele Pläne für die Zukunft. "Ich fühl mich wie zuhause, deswegen bleibe ich auf jeden Fall hier und ich trau es mich fast nicht zu sagen, aber ich hätte noch vor, dass ich den Meister mache. Aber ich hab gesagt, ich brauch mindestens ein Jahr Pause vom Lernen", berichtet Julia Grafhaider lachend und setzt nach "Jetzt hab ich Energie, Interesse und Lust dazu, Dinge auszuprobieren und zu machen, die ich früher nie hatte - es hat mich sehr verändert."