Blog | Das letzte Arbeitsjahrzehnt vor der Pensionierung

Ein realistischer Blick auf die eigene Pension (Foto: pexels/cottonbro studio)
Schon jetzt an die Pensionierung zu denken ist ein sensibles, aber gestaltbares Thema. Frühzeitige Information über die voraussichtliche Höhe der gesetzlichen Pensionshöhe schafft ein klares Bild. Wissen über Vorsorgeinstrumente und Beratung können finanzielle Risiken deutlich reduzieren. Eine bewusste Auseinandersetzung mit Arbeit, Einkommen, Gesundheit und Vorsorge ist ein zentraler Schritt zu mehr Sicherheit und Selbstbestimmung.
Gerade die letzten zehn Jahre vor dem Pensionsantritt eine besonders entscheidende Lebensphase. Vor allem auch durch die Anhebung des Pensionsantrittsalters bei Frauen seit 2024. In dieser Zeit kommen immer häufiger berufliche, gesundheitliche und finanzielle Fragen auf. Je früher sich eine Frau informiert – am besten schon in jungen Jahren – und aktiv plant, desto besser können wichtige Schritte für mehr finanzielle Sicherheit und Selbstbestimmung für die Zeit nach der Erwerbstätigkeit gesetzt werden.
Die gesetzliche Pension in Österreich basiert auf den im Laufe des Erwerbslebens erworbenen Versicherungszeiten und Beiträgen. Beitragslücken, lange Teilzeitphasen oder niedrige Einkommen wirken sich besonders auf die Höhe der Pension aus. Viele Frauen sind davon betroffen, da sie häufiger Erwerbsunterbrechungen oder reduzierte Arbeitszeiten aufgrund von Kinderbetreuung oder Pflegeverantwortung hatten. Gesundheitliche Probleme entscheiden auch hier mit, ob es möglich ist, direkt von einer Anstellung in die Pension zu gehen.
Steigendes Pensionsantrittsalter
Seit 2024 wird das gesetzliche Pensionsalter für Frauen schrittweise von 60 auf 65 Jahre angehoben. Damit verlängert sich die faktische Erwerbsphase deutlich. Zwar können zusätzliche Versicherungsjahre zu einer höheren Pension beitragen, gleichzeitig steigen aber auch die Anforderungen an Gesundheit, Belastbarkeit und Vereinbarkeit. Gerade für Frauen in körperlich oder psychisch anspruchsvollen Berufen stellt das Arbeiten bis 65 eine große Herausforderung dar.
Teilzeit als Risiko für die Pensionshöhe
Teilzeitarbeit ist in Österreich vor allem bei Frauen weit verbreitet. Sie ermöglicht oft die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege, führt jedoch langfristig zu geringeren Pensionsansprüchen. Niedrigere Beiträge bedeuten eine geringere finanzielle Absicherung im Alter. Im letzten Arbeitsjahrzehnt kann es daher sinnvoll sein, die eigene Arbeitszeit zu überprüfen und – sofern möglich – anzupassen. Schon moderate Stundenerhöhungen können einen spürbaren Einfluss auf die spätere Pension haben.
Die Realität der Pensionslücke
Der sogenannte Equal Pension Day macht jährlich sichtbar, wie groß die Unterschiede zwischen den Pensionen von Frauen und Männern sind. Laut Daten der Statistik Austria beziehen Frauen in Österreich im Durchschnitt rund 1.409 Euro Pension, während Männer auf etwa 2.374 Euro kommen.
Studien zeigen, dass ein Großteil der Frauen davon ausgeht, mit der gesetzlichen Pension allein nicht gut über die Runden zu kommen. Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Frauen ihre künftige Pensionshöhe überschätzen. Diese Fehleinschätzung kann dazu führen, dass notwendige Vorsorgeschritte spät oder gar nicht gesetzt werden. Umso wichtiger ist es, sich realistisch mit der eigenen finanziellen Situation auseinanderzusetzen und rechtzeitig zu handeln.
Frühzeitig vorsorgen und vorhandene Möglichkeiten nutzen
Expertinnen aus dem Bereich der Altersvorsorge raten Frauen dazu, sich möglichst früh mit dem Thema Pension auseinanderzusetzen. Dazu zählt unter anderem, bei der Wahl des Arbeitgebers auch auf betriebliche Vorsorgelösungen zu achten. Ebenso kann das Pensionssplitting einen wichtigen Ausgleich für Zeiten der Kindererziehung darstellen. Da Frauen nach wie vor den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit übernehmen, können solche Modelle helfen, langfristige Nachteile zumindest teilweise abzufedern.
Auch wenn die finanziellen Spielräume oft begrenzt sind, gilt: Private Vorsorge muss nicht mit großen Beträgen beginnen. Selbst kleine, regelmäßig eingezahlte Summen können über viele Jahre hinweg Wirkung entfalten. Wer es schafft, einen Teil des Einkommens konsequent für die eigene Altersvorsorge zurückzulegen und diesen Betrag im Laufe der Zeit anzupassen, legt ein wichtiges Fundament für den Lebensabend.
Gesundheit und Arbeitsfähigkeit sichern
Neben finanziellen Fragen nimmt die eigene Gesundheit im letzten Arbeitsjahrzehnt eine zentrale Rolle ein. Viele Frauen erleben in dieser Phase eine hohe Mehrfachbelastung durch Erwerbsarbeit, familiäre Verpflichtungen und Pflegearbeit. Um langfristig arbeitsfähig zu bleiben, ist es wichtig, auf Warnsignale zu achten und rechtzeitig Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Gesundheit ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, die verlängerte Erwerbsphase überhaupt bewältigen zu können.
Übergang in die Pension bewusst gestalten
Der Übergang von der Erwerbstätigkeit in die Pension muss nicht abrupt erfolgen. Modelle wie die Altersteilzeit oder individuell vereinbarte Arbeitszeitreduktionen können helfen, die Belastung in den letzten Berufsjahren zu reduzieren und gleichzeitig finanzielle Einbußen abzufedern. Voraussetzung dafür ist eine frühzeitige Planung und Information über die bestehenden Möglichkeiten.
Die ABZ*Beratung für Frauen unterstützt vielfältig, z. B. bei beruflichen Veränderungsprozessen und Entscheidungsfindungen. Vereinbaren Sie jetzt unkompliziert einen Termin! Die ABZ*Beratung für Frauen wendet sich an Frauen mit Fragen und Problemstellungen zu Beruf und Arbeit, die momentan nicht beim AMS gemeldet sind.
Telefonische Terminvereinbarung jeweils Dienstag und Donnerstag zwischen 9 und 13 Uhr unter Tel.: +43 1 8177344 oder per E-Mail unter beratung12@abz-austria.at.
Die ABZ*Beratung für Frauen wird gefördert durch die Stadt Wien, Frauenservice Wien (MA57).