Präsentation der Studie: Digitalisierung der Arbeit. Qualifizierung im ländlichen Bereich.

11.10.2019 - 09:00 - 11:15
GruppenfotoSozialministerin Brigitte ZarflStudienpräsentation
Bettina SturmMichalea SchafferhansPublikum

Wände aus Marmor, fünf Kronleuchter, die den Saal erhellen - der Marmorsaal im BMASGK am Stubenring bietet einen prächtigen Rahmen für Events. Schöner hätte man es sich für die Präsentation der Studie "Digitalisierung der Arbeit. Qualifizierte Frauen im ländlichen Bereich" nicht wünschen können. Doch nicht nur der Saal sorgt für Begeisterung, sondern auch die Ehrengäste. Die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz, Brigitte Zarfl, hat es sich nämlich nicht nehmen lassen, die Veranstaltung zu eröffnen.

Mobile Arbeitsmodelle erfolgreich umsetzen

"Es ist ein Termin, zu dem ich mich selbst eingeladen habe", eröffnet die Bundesministerin lachend ihre Rede, um danach auszuführen "Digitalisierung ist ein wichtiger Themenbereich, der trotz Klimawandel und anderen neuen und genauso brisanten Herausforderungen nicht an Aktualität verlieren wird." Digitalisierung der Arbeit und mobile Arbeitsmodelle sind in aller Munde, doch welche Angebote gibt es und wie setze ich sie am besten um? All das sind Fragen, die nicht nur Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern unter den Nägeln brennen. Auch die zahlreich erschienenen Gäste warten gespannt auf die Ergebnisse der Studie, die vom BMASGK in Auftrag gegeben wurde. Antworten haben die beiden Studienautorinnen Bettina Sturm von ABZ*AUSTRIA und Michaela Schafferhans von prospect research & solution, die sie nach der Ankündigung durch Moderatorin Ulrike Neufang vom BMASGK auch gleich mit dem Publikum teilen.

Vom Mangel an qualifizierten Arbeitskräften

"Wir haben einerseits die Situation, dass es einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften im städtischen Raum gibt, und auf der anderen Seite haben wir die Situation im ländlichen Raum, dass es dort qualifizierte Frauen gibt, die in den Regionen, in denen sie leben, keine ausbildungsadäquaten Beschäftigungsmöglichkeiten finden", führt Bettina Sturm in das Thema und das Studienziel ein. Doch wie sehen diese Modelle aus? Welche Chancen und Risiken verbergen sich dahinter und wie beurteilen Unternehmen, die bereits mit Telearbeit Erfahrung haben, die Modelle? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, wurden zum einen zehn qualitative Interviews mit Unternehmen geführt, zum anderen drei Fokusgruppen mit arbeitssuchenden und qualifizierten Frauen aus dem ländlichen Raum gebildet. Das Ziel der Studie? Konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen, wie sie Telearbeit erfolgreich umsetzen können. Im Fokus der Studie stand dabei das Modell der alternierenden Telearbeit, bei der zeitweise im Unternehmen und zeitweise zu Hause gearbeitet wird. Ein Modell, das - wie die Studie zeigt - am häufigsten in der Praxis zum Einsatz kommt.

Telearbeit - so kann’s funktionieren

Alle befragten Unternehmen hatten bereits Erfahrung mit Telearbeit. Die Option zur mobilen Arbeit haben dabei zumeist Mitarbeiterinnen genutzt, die bereits lange im Unternehmen sind. Als größte Vorteile wurden hier die Vereinbarkeit von Betreuungspflichten sowie die Einsparung von Wegzeiten genannt. "Es überwiegen die Vorteile für die befragten Unternehmen, sie sehen es als gutes Instrument für Arbeitszeitflexibilisierung, auch um Arbeitsspitzen abdecken zu können. Telearbeit wird auch als Argument gesehen, um qualifizierte Arbeitskräfte zu finden", führt Michaela Schafferhans aus.

Resümee - Blick in die Zukunft

Doch wo es positive Effekte gibt, da finden sich auch negative. Hier benennen beide Seiten das Fehlen der informellen Kommunikation und die Möglichkeit sich auszutauschen, um auf dem Laufenden zu bleiben. Zudem besteht auch die Gefahr, dass Arbeits- und Privatleben verschwimmen. Hier bedarf es großer Selbstdisziplin und Abgrenzung. Als Resümee zeigen die beiden Studienmacherinnen essenzielle Schritte auf, wie Telearbeit umgesetzt werden kann. Dazu zählen unter anderem die Klärung des betrieblichen Rahmens, eine gute Vorbereitung, das Analysieren, welche Aufgabenbereiche sich für das Modell eignen, das Festlegen von technischen Rahmenbedingungen, das Erstellen einer betrieblichen Vereinbarung und der Plan für die Umsetzung. Nach der Präsentation der Ergebnisse war dann das Publikum gefragt, das mit seinen Fragen und Anregungen zu einem spannenden Diskurs aller Anwesenden beitrug.

Podiumsdiskussion - so facettenreich wie die Modelle der Telearbeit

Nach so viel interessantem Input scharten auch schon die Podiumsgäste in den Startlöchern, um von ihren Erfahrungen aus der Praxis zu berichten. Thomas Happala von der Happala Steuerberatung, Gerlinde Hauer von der AK Wien, Trude Hausegger von prospect research&solution, Walter Neubauer vom BMASGK sowie Manuela Vollmann von ABZ* AUSTRIA bildeten das facettenreiche Podium, das durch seine verschiedenen Perspektiven ein abwechslungsreiches Bild von Telearbeit widerspiegelte.

Vertrauen in sein Team haben

So weiß Thomas Hapala, in dessen Unternehmen vor allem Buchhalterinnen die Option des Telearbeitens nutzen: "Für unseren Bereich ist das sehr praktisch, weil es sehr zielgerichtet ist: Es gibt eine Buchhaltung und die muss erledigt werden. Ich muss nicht genau die Stunden kontrollieren, denn wenn die Buchhaltung fertig ist, dann sind wir zufrieden." Auch er hat gute Erfahrungen mit dem alternierenden Modell gemacht, denn jeden Mittwoch müssen alle MitarbeiterInnen im Büro anwesend sein. Das ist gut für den Austausch im Team und wird auch von allen geschätzt, wie er erzählt. Als wichtigsten Faktor für den Erfolg von Telearbeit sieht er das Vertrauen in sein Team.

Realistischen Blick auf Telearbeit bewahren

Gerlinde Hauer von der Arbeiterkammer Wien gibt zu bedenken, dass Telearbeit nicht zugleich bedeutet, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung erleichtert wird. "Man muss sehr stark sehen, was das für die Vereinbarkeit bedeutet, um da auch keine falschen Hoffnungen zu wecken, die sich in der Realität als nicht wahr erweisen. Wie es in der Studie gut dargelegt wurde, ersetzt Telearbeit nicht die gute Kinderbetreuung und man muss bedenken, dass sich dieser Arbeitszeitkonflikt, den vor allem die Frauen stemmen müssen, wenn sie Kinder haben, nicht durch Home-office alleine löst. Da braucht es ganz klare Voraussetzungen", gibt sie zu bedenken und verweist auf die Ergebnisse einer Studie, die besagt, dass sich die Doppelbelastung für Frauen durch Home-office oft noch verstärkt.

Telearbeit als Herausforderung für Führungskräfte

Walter Neubauer vom BMASGK weiß: "Telearbeit kann nur dann funktionieren, wenn es von beiden Seiten akzeptiert wird. Ohne eine grundsätzliche Akzeptanz, was das Vertrauen der Führungskräfte betrifft, kann das nicht funktionieren. Das ist ein ganz wesentlicher Eckstein. Ganz klar ist auch, dass es eine Herausforderung für Führungskräfte ist, wie sie mit dem Thema umgehen: Wie sehr vertraue ich meinen MitarbeiterInnen? Wie sehr bin ich im Stande, meine Arbeit so zu organisieren, dass sie auch von wo anders gemacht werden kann?" Er gibt weiters zu bedenken, dass es gerade bei der Telearbeit viel Vorarbeit braucht und dass dies Druck auf Führungskräfte ausübt, da sie vorab viele Entscheidungen treffen müssen. Als essenziell sieht er, dass Telearbeit alternierend angeboten wird, da dies eine klare Anbindung an den Arbeitsplatz darstellt.

Als Arbeitgeberin attraktiv bleiben

Auch Trude Hausegger bietet seit 20 Jahren Telearbeitsmodelle in ihrem Unternehmen an. Wieso? Weil es in ihrer Arbeit klar definierte Aufträge mit zielgerichteten Ergebnissen gibt, wie sie berichtet. Gewisse Dokumente dürfen nur im Büro bearbeitet werden. "Ansonsten steht für mich als Geschäftsführerin ein qualitativ hochwertiges Ergebnis im Vordergrund und ich traue meinen MitarbeiterInnen zu, eigenständig und selbstbestimmt zu entscheiden, wann und wo sie die Arbeit dazu erbringen. Für ein Unternehmen, wie wir es sind, halte ich das für ganz zentral, um meine MitarbeiterInnen an uns binden zu können. Ich kann bei uns im kleinen Team keine großartigen Karriereoptionen bieten, aber ich muss als Arbeitgeberin attraktiv sein - da muss das Zusammenspiel passen", erzählt sie über die Entscheidung, Telearbeit zu ermöglichen.

Manuela Vollmann: Telearbeit - vertrauen und zutrauen

Manuela Vollmann von ABZ*AUSTRIA hält fest, dass es für all diese Überlegungen auch eine Änderung des Mindsets geben muss. "Ich bin davon überzeugt, dass wir gemeinsam überlegen müssen, wie man kleine Regionen für Frauen und Männer der nächsten Generation attraktiv macht, damit sich Leben und Arbeiten miteinander vereinbaren lassen." Deswegen hält sie es für wichtig, mit den Gemeinden etwas aufzubauen wie beispielsweise Co-Working-Spaces, die die Infrastruktur für Telearbeit gewährleisten.

Auch nach der Podiumsdiskussion bringt sich das Publikum rege ein und ein spannender Diskurs zwischen ExpertInnen auf dem Podium und im Publikum entsteht, der dann beim anschließenden Networking beim Buffet fortgeführt wird.

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Einladung: