Frauen als Gewinnerinnen der Digitalisierung?

Frauen als Gewinnerinnen der Digitalisierung?

Fotocredit: geralt/Pixabay

Die Digitalisierung unserer Arbeits- und Lebenswelt erleichtert vieles. Davon werden künftig besonders Frauen profitieren. Oder doch nicht?

Die neue Arbeitswelt ist geprägt von flexiblen Arbeitszeiten, mobiler Arbeit, von digitalem Workflow, der uns Arbeit abnimmt und uns Zeit für Wesentliches lassen will. ExpertInnen meinen, dass vor allem Frauen von der Digitalisierung der Arbeitswelt profitieren werden. Einerseits, weil flexibles Arbeiten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern und somit auch höherqualifizierte Teilzeitarbeit ermöglichen könnte. Aber noch mehr ist möglich. Eine Studie von Accenture etwa hat im Vorjahr ergeben: Digitale Kompetenz und die Chancen der Digitalisierung verhelfen vor allem Frauen dabei, ihre Karrierechancen zu steigern. In 16 von 31 untersuchten Ländern erreichen Frauen laut der Studie ein höheres Bildungsniveau als Männer – weil sie etwa digitale Technologien effektiver nutzen.

Auch die Arbeitsprozesse selbst können durch die Digitalisierung verbessert werden. Die niederländische NGO Buurtzorg hat etwa digitale Prozesse in der mobilen Altenpflege eingeführt und wurde kürzlich zum 5. Mal beliebtester Arbeitgeber des Landes gekürt. Die PflegerInnen verwalten ihre Dienstzeiten und PatientInnen selbst über eine Plattform, die damit verbundene Zeitersparnis entstresst sie und kommt der Arbeit mit den PatientInnen zugute. Die Teams organisieren sich selbst, TeamleiterInnen sind dadurch weggefallen. Der Frauenanteil ist in der Pflege hoch - daher sind hier vor allem Frauen entlastet worden.

Unbezahlt bleibt unbezahlt

Auch im Haushalt können technologische Errungenschaften Arbeit reduzieren. Jedoch gehören Frauen nicht automatisch zu den Gewinnerinnen der Digitalisierung, sagt die britische Arbeitssoziologin Ursula Huws. Wenn die Zeitersparnis im Haushalt für Mütter durch beispielsweise den Staubsaugerroboter zur Ausweitung der Kinderbetreuungszeit führt, bleibt unbezahlte Arbeit nämlich unbezahlte Arbeit. Eine Umschichtung von unbezahlter und bezahlter Arbeit ist daher zugunsten der Frauen nötig, muss aber bewusst getroffen werden.

Auch die Erwerbsarbeit sieht Huws für Frauen nicht so rosig: denn die Digitalisierung führe auch zu einer verstärkten Überwachung von Arbeitsschritten, was wiederum zur Intensivierung der Arbeit führe, auch wenn die Arbeitszeit selbst sinke.

Wichtig ist: Mädchen und Frauen sind gefordert, in Sachen digitaler Kompetenz mithalten zu können. Daher werden auch dahingehende schulische und niedrigschwellige Bildungsangebote im Bereich IKT immer wichtiger. abz*austria leistet hier mit diversen Projekten wie etwa Learn forever und KeCK einen wichtigen Beitrag.

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