Frauen aktiv#weiter: "Wir hören sehr oft von den Frauen, dass sie hier wieder als Mensch gesehen werden."

Frauen Aktiv#Weiter - 'Wir hören sehr oft von den Frauen, dass sie hier wieder als Mensch gesehen werden.'

"Das Schöne am Projekt ist, dass es so offen ist" (Fariba Olschak)

Fährt man am Gumpendorfer Gürtel 2B in den fünften und sechsten Stock, ist man angekommen in der Welt von "ABZ*Frauen aktiv#weiter". Hier unterstützt das Team rund um Projektleiterin Fariba Olschak Frauen dabei, einen Schritt weiterzukommen. Hier ist der Name Programm: Vom Thema Gesundheit, mehr Struktur im Alltag bis zu Bewerbung und Jobsuche – behandelt wird dabei alles, was Frauen aktiv weiterbringt. Das sowohl in Einzelberatungen, in Gesprächen im sogenannten offenen Raum, als auch in Workshops. Das Projekt wird vom AMS Wien gefördert.

Im neunköpfigen Team von "ABZ*Frauen aktiv#weiter" wird vor allem eines - gestrahlt. Wenn die motivierten Frauen über ihren Joballtag sprechen, dann spürt man die Begeisterung, die sie für ihren Job haben. Sie alle begleiten die Teilnehmerinnen in Einzelberatungen und bieten zudem ihre spezifischen Spezialgebiete in Workshops an. "Die Idee hinter dem Projekt 'Frauen aktiv#weiter' ist es, Frauen so zu stärken, dass ihre Chancen auf Reintegration in den Arbeitsmarkt gewahrt bleiben. Dies gelingt mit der Stärkung und Aktivierung des Selbsthilfepotentials und Unterstützung bei der Alltagsbewältigung", klärt Fariba Olschak über das Ziel des Projekts auf. "Je nach spezifischer Lebenssituation sind für die Frauen unterschiedliche Zwischenschritte notwendig, die Beraterinnen erheben detailliert und systematisch die individuelle Ausgangslage und definieren erreichbare Milestones", erläutert Fariba Olschak weiter. In der Praxis bedeutet das, dass sich die Frauen nach einer Erstberatung für Themenschwerpunkte entscheiden können, Vorträge von externen Expert*innen besuchen oder in Einzelgesprächen ihre Anliegen besprechen. Während des gesamten Prozesses wird jede Teilnehmerin von den Beraterinnen begleitet.

Da jede Frau an einem anderen Punkt in ihrem Leben steht, ist es dem Team wichtig, einen ganzheitlichen Ansatz und verschiedene Formate anzubieten. So könne man die Ansprüche der verschiedenen Lebenslagen, in denen sich die Frauen befinden, am besten abdecken, sind die Expertinnen überzeugt. Von klassischer Berufsberatung bis hin zu psychosozialen Fragen oder Akuthilfe in Krisen - die Beraterinnen können durch ihre vielfältigen Ausbildungen auf vielerlei Ebenen unterstützen. Dass die Gespräche zudem teilweise in der Erstsprache der Frauen durchgeführt werden, ist ein weiteres Plus, um die Beziehung zu den Teilnehmerinnen zu stärken, ist sich das Team sicher. Der entwickelte „offene Raum“ hat dabei den Anspruch, niederschwellig und kurzfristig für die Frauen da zu sein, damit sie mit akuten Anliegen vorbeikommen können. Dieses Angebot wird dankend angenommen, wie Expertinnen aus dem Alltag berichten.

Ein breites Spektrum an Workshops ergänzt das Basisangebot. Hier kann sich jede Teilnehmerin ihren idividuellen Plan zusammenstellen: Kompetenzcheck, Jobsuche, Bewerbungsgespräche, digitale Kompetenz, Sprachencafé oder Bewegung mit Fokus auf Tanz, es wird versucht, verschiedenste Lebensbereiche abzudecken. Das Angebot ist zudem darauf ausgerichtet, individuell und flexibel auf die Wünsche und Anliegen der Teilnehmerinnen einzugehen. Dabei begleitet das Team in 1,5 Jahren knapp 1500 Frauen.

"Ich freue mich, wenn die Frauen merken, dass es wirklich um sie geht, und sie eine neue Perspektive sehen" (Matylda Krupinska)

"Wir versuchen, die Frauen zu begleiten, bis sie sich besser fühlen, und bieten Unterstützung, vor allem für sie als Menschen, damit es der Frau gut geht. Dadurch ist sie der aktiven Jobsuche einen kleinen Schritt näher oder weiß, wie sie sich stabilisieren kann", führt Selwa Tawakol aus, deren Schwerpunkt die Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche ist. Was trage ich beim ersten Treffen? Welche Fragen erwarten mich? Das alles wird in der Gruppe besprochen. Bei ihrer Kollegin Matylda Krupinska, die den Kompetenzworkshop anbietet, geht es darum, persönliche Stärken zu erkennen und zu fördern, da sich viele Frauen ihrer Fähigkeiten gar nicht bewusst sind, wie sie berichtet: "Bei den Erstgesprächen ist es für die Frauen sehr wichtig, dass wir uns die Zeit nehmen und genau zuhören, was sie bis jetzt gemacht haben. Wir schauen, welche Ideen es schon gibt und wie man Perspektiven erweitern kann. Das ist auch oft die Rückmeldung von den Frauen, dass sie hier sehr wertschätzend und menschlich angenommen werden." Ein Grundprinzip, auf dem alle Angebote von "Frauen aktiv#weiter" basieren. Das Ziel der Maßnahme ist nicht zwingend eine direkte Jobaufnahme. Am Ende der gemeinsamen Zeit sollen die Frauen gestärkt in ihren Alltag zurückkehren, wobei das bei jeder Teilnehmerin etwas anderes bedeuten kann. Beruf, Gesundheit, Alltagsstruktur, rechtliche Fragen – das Repertoire an Anliegen ist vielfältig. "Erstaunlicherweise finden aber viele Frauen einen Job, weil dieser Leistungsdruck weg ist. Es ist die Freiwilligkeit, die die Frauen beeindruckt", berichtet die Projektleiterin Fariba Olschak.

"Was die Frauen sehr schätzen ist die feministische und frauenspezifische Arbeit, die wir machen" (Sophie Burchard)

Dass alle Maßnahmen ein nicht verpflichtendes Angebot an die Frauen sind, erstaunt im ersten Moment viele der Teilnehmerinnen, wie Fariba Olschak lachend erzählt, um stolz nachzusetzen, dass 85% aller Frauen im Projekt bleiben und dieses Angebot dankend annehmen. "Wir sind ein sehr bedarfsorientiertes Projekt. Wir orientieren uns daran, was die Frauen brauchen. Wir sehen uns da auch als Hilfe zur Selbsthilfe. Ich biete den Frauen eine Plattform und eine Möglichkeit an und was sie daraus machen, liegt an ihnen. Das ist das Schöne, dass sie sehen, jemand ist da", erzählt Corinna Zillner, die den Workshop "Jobimpuls" anbietet, aus ihrem beruflichem Alltag. Gemeinsam werden Stellenausschreibungen gesucht und auch die Teilnehmerinnen untereinander haben die Möglichkeit, sich zu vernetzen. Den ganzheitlichen Anspruch des Projekts erweitert ihre Kollegin Sophie Burchard, die im wahrsten Sinne des Wortes Bewegung ins Spiel bringt. Bei ihr stehen Tanz und körperliche Bestätigung im Mittelpunkt. "Wir erreichen Leute, die sich nicht klassisch für einen Gymnastikkurs anmelden würden. Wir versuchen, den Kopf auszuschalten und den Zugang zum Tanz wieder zu entdecken. Es macht Spaß und es stärkt das Selbstbewusstsein. Ich sag auch immer, dass sie sich diese positive Energie mitnehmen sollen", führt die Expertin strahlend aus.

"Wir haben zum Teil eine hochbelastete Zielgruppe" (Christa Putz)

Bei Christa Putz dreht sich alles um digitale Kompetenzen und Arbeitsrecht. "Für mich ist es die Abwechslung, die mir besonders viel Freude macht. Du weißt nie, wer kommt, man weiß nur den Namen. Das ist für mich das Spannendste an der Arbeit", erzählt sie mit Begeisterung. Von einer Künstlerin, bei der es um eine prekäre Arbeitssituation geht, bis hin zur Angestellten, die zwei Jahre lang einer Tätigkeit nachgegangen ist, bei der sie nicht angemeldet war - die Geschichten der Frauen sind bunt gemischt. "Da hat man schon das Gefühl, man hat etwas sehr Wichtiges erreicht. Eine Art Wirksamkeitsgefühl", führt sie weiter aus. Die Problemlagen sind vielfältig und so auch die Problemlösungen, die die Expertinnen finden müssen. Vernetzung und Austausch mit anderen Organisationen ist deswegen besonders wichtig, wie sie betonen.

"Hier kommen Frauen, die zusätzlich unter Druck stehen. Wir versuchen, gemeinsam mehr zu schaffen" (Fatana Wafa)

Sprachen stehen bei Fatana Wafa im Mittelpunkt. Im sogenannten Sprachcafé sollen die Teilnehmerinnen ermutigt werden, mehr zu sprechen und aus sich herauszukommen, wie Fatana Wafa begeistert erzählt. "Zu mir kommen Frauen mit verschiedenen Sprachniveaus. Mein Ziel ist es, ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Bei mir besteht die Möglichkeit, dass die Frauen schauen, was in ihnen steckt, dass sie rauskommen und die Möglichkeit haben, mehr zu sprechen. Wenn ich sehe, die Frauen sind zufrieden, dann merke auch ich, wieviel dieser Freude zu mir zurückkommt", erzählt sie über das Ziel des Sprachcafés. Sprachen stehen auch im Team im Fokus: Farsi/Dari, Arabisch, Polnisch, Französisch, Englisch, Spanisch und Russisch werden bis jetzt abgedeckt. Dass hier interkulturell, kultur- und gendersensibel gearbeitet und miteinander umgegangen wird, darauf ist das Team besonders stolz und dies wird auch von den Teilnehmerinnen geschätzt. Hört man dem Team von "Frauen aktiv#weiter" zu, merkt man, hier greifen viele Expertisen ineinander und ergänzen sich – auf professioneller, aber auch auf menschlicher Ebene. Den Kreis rund macht Rita Säckl, die für die Administration verantwortlich ist: "Ich bin der Erstkontakt für die Frauen. Ich habe auch da sehr nette Erlebnisse", erzählt sie schmunzelnd und erinnert sich an viele freudige Reaktionen über den respektvollen Umgang. Aber nicht nur für die Teilnehmerinnen ist sie essenziell, sondern besonders auch fürs Team, da sie speziell die Vernetzung und den Zusammenhalt stärkt, wie Fariba Olschak erzählt. Diese Solidarität lassen sie auch morgen wieder die Teilnehmerinnen spüren, wenn das Telefon läutet oder die Türe aufgeht, am Gumpendorfer Gürtel 2B und eine weitere Frau beschließt: Ich will aktiv weiterkommen!

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