FiT für eine neue Karriere

FiT für eine neue Karriere

Nicole Stöger (re.) in der abz*FiT-Beratung mit Sabine Echsel

Chemie war in der Schule für Nicole Stöger ein "Angstfach". Jetzt startet sie dank der abz*FiT.frauenberatung eine neue Karriere im Bereich Biotechnologie.

Nicole Stöger sitzt zum letzten Mal Sabine Echsel gegenüber. Beide strahlen, plaudern, lachen. Beraterin Sabine Echsel gibt ihr noch abschließend einige Tipps. Das Ziel ist erreicht. Nach zwei Jahren Ausbildung schlägt Nicole Stöger dank der FiT-Beratung bei abz*austria eine neue Karriere im technischen Bereich ein.

Der Weg der fröhlichen Niederösterreicherin schien vorgezeichnet. Als Tochter einer Winzerfamilie im Weinviertel war es klar, dass sie die HBLA mit Schwerpunkt Wein- und Obstbau besuchte. Nach der Schule arbeitete sie in einem Labor und als freie Journalistin beim Österreichischen Agrarverlag, zwar mit facheinschlägigem Bezug, aber: "Ich war schon eine Exotin, weil ich nicht wie 90 Prozent meiner SchulkollegInnen später den elterlichen Betrieb übernommen oder in einen eingeheiratet habe", erzählt sie. Das Weingut zu übernehmen erschien ihr nicht so attraktiv, "mit dem Einheiraten hat es auch nicht geklappt", lacht sie. Sie blieb in der Sparte, arbeitete im Ein- und Verkauf in einem Kellereibedarfshandel und entwickelte Weinseminare als Bereichsleiterin einer Vinothek. Nach einer Umstrukturierung inklusive Stellenabbau landete Nicole Stöger beim Arbeitsmarktservice. Bald war ihr klar, was sie tun wollte: "Während meiner Zeit in der Vinothek habe ich zu imkern begonnen, habe nebenbei sogar die Lehrabschlussprüfung zur Imkerfacharbeiterin gemacht. Da bin ich mit Gentechnik und Biochemie in Berührung gekommen und habe gemerkt, dass mich das doch interessiert - trotz meiner Vorurteile gegenüber der Gentechnik."

Beim AMS erklärte sie dem zuständigen Berater daher, am Fit-Programm (Frauen in die Technik) teilnehmen zu wollen, das Frauen seit 2006 in handwerklich-technischen Berufen weiterbildet und qualifiziert. "Damals war ich 33, das war toll, mit dem Alter noch eine Förderung zu bekommen."

Unter den Teilnehmerinnen waren Frauen mit ganz unterschiedlichen Lebensverläufen - darunter eine Philosophiestudentin und eine Journalistin. Doch alle verfolgten dasselbe Ziel: Eine Karriere in Technik oder Handwerk. "Es war schön zu sehen, dass es möglich ist, mit Anfang 30 noch einen gänzlich neuen Karriereweg einzuschlagen." Stöger entschied sich nach einer Orientierungsphase über die abz Beratung für das Fach "Biochemie und Gentechnik" im HTL-Kolleg Rosensteingasse. Das Fach Chemie traute sie sich anfangs nicht so zu, "schon als Schülerin war das so, ich habe meine Fähigkeiten eher im Sprachlichen gesehen. Dieses Angstfach hat sich aber während des FiT-Programms zum Lieblingsfach entwickelt", erzählt sie. Woran das lag? "An der eigenen Reife, an den Vortragenden, an meinem Interesse."

Begleitung bis zum Abschluss

Das FiT-Programm wird vom AMS in Wien seit 2006 angeboten. In mehr als 200 Berufen im handwerklich-technischen Bereich sind Ausbildungen mit Lehrabschluss oder HTL-Abschluss möglich. Die Bedingungen: Die Teilnehmerinnen müssen arbeitslos gemeldet und über 19 Jahre alt sein. Sie erhalten währenddessen Arbeitslosengeld und eine Beihilfe zur Deckung des Lebensunterhalts. abz*austria bietet als Kooperationspartner der ersten Stunde Karriereplanung, Beratung bei der Berufsorientierung, Begleitung während der Ausbildungsphase (etwa über Koordination von Nachhilfe) und Bewerbungsberatung und Bewerbungstraining im Rahmen von Einzel- und Gruppencoachings sowie Sprechstunden an. Dadurch wird ein erfolgreicher Abschluss sichergestellt.

Dass man mit über 30 noch einmal komplett von vorne beginnt und dann auch noch gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat, war für Nicole Stöger überraschend. "Anfangs war schon die Verunsicherung vorhanden, ob sich die Unternehmen für mich interessieren." Die Sorge war aber unbegründet, ihr aktueller Wissensstand dank des HTL-Abschlusses und ihre Berufserfahrung kamen bei den Unternehmen gut an: "Ich schrieb rund 35 Bewerbungen und wurde gleich zu zwölf Bewerbungsgesprächen eingeladen."

In der Bewerbungsphase wurde die heute 35-Jährige von Sabine Echsel beraten. "Mir war es wichtig, mich persönlich an die Firmen zu wenden. Frau Echsel hat mir mit ihren Kontakten weitergeholfen." Die abz-Beraterinnen agieren als Betriebskontakterinnen, vermitteln also zwischen Klientin und Unternehmen.

In den nächsten Tagen tritt Nicole Stöger ihren neuen Job in einem Biotech-Unternehmen an. Sie wird im Labor arbeiten, aber auch mit Kunden zu tun haben. Die junge Frau hat ihre Berufung gefunden. Eine neue Karriere beginnt.

Weitere Infos zur abz FiT.Frauenberatung finden Sie auf der Projektseite.

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