Barfuß das eigene Unternehmen aufbauen

Barfuß das eigene Unternehmen aufbauen

Die Gründerin der "Genialen Sandale" ist zu Besuch

Beim Projekt "ABZ*NEW SKILLS Handel und E-Commerce", das vom AMS Niederösterreich gefördert wird, ist der Name Programm. Denn alle Teilnehmerinnen wollen sich neue Fähigkeiten in dem Bereich aneignen. Inspiration und Motivation holt man sich am besten von Karrierewegen anderer Frauen. Genau deswegen wurde auch Gründerin Anika Radl für den Kurs eingeladen, um über ihr Unternehmen "Geniale Sandale" zu erzählen.

Barfuß die Karriereleiter hochklettern

Schon beim Blick an die Wand im Kursraum von ABZ* AUSTRIA merkt man den Tatendrang der anwesenden Frauen. Auf einem Plakat prangt der Satz "If I ruled the world", darunter die Wünsche und Träume der Teilnehmerinnen. Auf einem anderen Plakat liest man das Leistungspotential der Frauen: genau, gewissenhaft, kommunikativ. Man merkt sofort - hier sitzen Frauen mit Tatendrang, die wissen, was sie drauf haben. Auch die Unternehmerin Anika Radl, die von Kursleiterin Elke Gschwandtner eingeladen wurde, hat vor drei Jahren, als sie aus ihrem Hobby ein Business gemacht hat, Tatendrang verspürt. Die Idee ist einfach und genial zugleich: Sandalen, die sich anfühlen, als ob man barfuß geht. Auf die Idee gekommen ist sie, da sie selbst nach solchen Sandalen gesucht hat. Den letzten Ruck, diese selbst zu produzieren, hat dann das Buch "Born to run" gegeben, in dem sie von Indianern gelesen hat, die aus Autoreifen Sandalen machen.

Inspirieren lassen

Inspiriert von den Tarahumara, Indianern aus Mexiko, hat sie dann versucht, das Prinzip mit den von ihr gewählten Materialien umzusetzen. Mit verschiedenen Materialproben, Kleber und Schere bewaffnet hat sie es dann versucht und getestet. "Ich hab es einfach ausprobiert, das war aber keine eigene Erfindung", sagt Anika Radl bescheiden. Dass sie damit aber einen Nerv der Zeit getroffen hat, bewies die Resonanz im Freundeskreis. Bald kamen immer mehr Aufträge dazu und die Idee, sich damit selbstständig zu machen, ist gereift. Den Ausschlag, es dann wirklich durchzuziehen, hat ihre Mutter gegeben, die Feuer und Flamme für die Idee der Tochter war, wie sie berichtet.

Learning by doing

So bilderbuchhaft die Geschichte klingt, so einfach war es dann doch nicht. Als sie mit 20 ein Gewerbe anzumelden versucht, will die zuständige Stelle ihr keine individuelle Befähigung dafür ausstellen. Das hätte wiederum bedeutet, dass Anika Radl die Lehre als Schuhmacherin hätte abschließen müssen, um ihr Projekt weiterzuführen. Mit viel Engagement und Durchsetzungskraft hat sie es dann aber am Ende geschafft, erzählt sie den aufmerksamen Teilnehmerinnen mit einem Grinsen auf den Lippen.

Nische finden und bedienen

Erfrischend ehrlich spricht die junge Gründerin auch über das Wachstum ihrer Firma. Waren es im ersten Jahr erst 20 Bestellungen, so ist die Zahl der Interessierten stetig gewachsen. Sie erzählt von der Zusammenarbeit mit Bloggerinnen und Bloggern, die ihr bei der Erweiterung der Reichweite geholfen haben, und wie wichtig es ihr ist, dass alles organisch und langsam wächst. Auch wenn das bedeutet hat, dass sie auf den Erfolg ein wenig länger warten musste. "Ich habe mit Geniale Sandale ein Nischenprodukt und nur die Barfuß-Community findet mich", erzählt sie reflektiert. Mundpropaganda ist dabei ihr größter Helfer, wie sie berichtet.

Organisches Wachstum, das sich auszahlt

Hat sie anfangs noch alles selbst in den eigenen vier Wände hergestellt, wurden irgendwann die Bestellungen zu viel und Anika Radl arbeitet nun mit zwei Produzenten zusammen. Immer wieder stellen die Teilnehmerinnen interessiert Fragen: Wie ist es denn eigentlich zu dem Namen gekommen? Hier muss Anika Radl schmunzeln und erklärt "Auf Sandale kann man mega gut reimen. Mein Vater ist dann auf die Idee mit ‚Geniale Sandale’ gekommen."

Netzwerken und gemeinsam Lösungen finden

Dass sie ihre Konkurrenz und die Szene gut kennt, merkt man an jedem Wort, das die Gründerin entspannt mit den Teilnehmerinnen wechselt. Es ist ihr zudem wichtig, dass sie mit ökologisch wertvollen Materialien arbeitet, wie sie betont, und ihr Produkt immer weiterentwickelt. Gerade ist sie mit Produzenten aus Mexiko in Kontakt, die Kaktusleder produzieren. Gibt es viele Reklamationen? Wie macht sie ihre Buchhaltung? Wie viel Gewinn hat sie gemacht? Welche Social Media-Kanäle bespielt sie? Die Frauen nützen die Chance, eine erfolgreiche Unternehmerin zu befragen, und werden nicht enttäuscht. Offen, ehrlich verrät Anika Radl all ihre Erfahrungen. Besonders ans Herz legt sie den Frauen, sich Hilfe zu holen und sich auszutauschen. Hat sie ein Problem, dann bespricht sie das mit Freunden und meist kennt jemand jemanden, der eine Lösung weiß. Netzwerken, auf welche Art auch immer, sieht sie als essenziell an. Für die Teilnehmerinnen des Kurses "Handel und E-Commerce" besonders interessant ist eine Blick hinter die Kulissen zu ihrem Onlineshop. In der Maske verrät sie dann noch den einen oder anderen Trick, was das Versenden und den Kundenservice angeht. Auch nach dem Vortrag plaudern einzelne Teilnehmerinnen noch mit der Gründerin und man merkt, sie alle sind inspiriert von der Geschichte der jungen Frau, die es geschafft hat, aus ihrem Hobby ein funktionierendes Business

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