ABZ*Circle Roundtable zur Nationalratswahl 2019

Kontaktieren Sie

11.09.2019 - 10:00 - 12:00

Nationalratswahl 2019: Politik für Frauen und Gleichstellung quo vadis? Der ABZ*Circle fragt nach.

Der Spätsommer hat begonnen und die Nationalratswahl naht mit Riesenschritten. Grund genug für den ABZ*CIRCLE, dem überparteilichen Gleichstellungsnetzwerk mit engagierten Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Kultur, Zivilgesellschaft und Verwaltung, die Frauenreferentinnen der Parteien am 11. September 2019 im Markhof Coworking Space zum Runden Tisch einzuladen. Therese Niss von der Neuen Volkspartei, Ewa Ernst-Dziedzic von den Grünen, Doris Hager-Hämmerle von den Neos, Gabriele Heinisch-Hosek von der SPÖ und Maria Stern von der Liste Jetzt stellten sich den Fragen zu Gleichstellung, Arbeitsmarkt, neues Arbeiten und Digitalisierung, die diesmal nicht primär von Journalistinnen, sondern von Frauen aus der Wirtschaft und Wissenschaft gestellt wurden. Ziel war es, eine fundierte Begegnungs- und Diskussionsfläche für Wirtschaft und Politik zu schaffen.

Ehrgeizig gab man sich im Vorfeld der Veranstaltung. Wollte man doch nicht nur Antworten auf die brennenden Gleichstellungsfragen der Zeit bekommen, um die Standpunkte der einzelnen Parteien besser kennenzulernen, sondern auch abseits vom üblichen Wahlkampf Gemeinsamkeiten finden. Denn, so formulierten es die beiden Moderatorinnen Manuela Vollmann und Daniela Schallert, Geschäftsführerinnen von ABZ*AUSTRIA: "Nur wenn wir auch an einem Strang ziehen, wird etwas weitergehen."

Melanie Eckl-Kerber von der Industriellenvereinigung und Nadja Bergmann von L&R Sozialforschung hatten mit anderen ABZ*Circle Mitgliedern eine breite Themenpalette vorbereitet. Gefragt nach der wichtigsten gleichstellungspolitischen Maßnahmen bezogen auf den Arbeitsmarkt, sieht Doris Hager-Hämmerle den Schlüssel in der Kinderbetreuung. Die Vorarlbergerin weißt, dass es gerade in ihrem Heimatbundesland "die höchste Anzahl an Schließtagen gibt und wir haben die kürzesten Öffnungszeiten." Hager-Hämmerle weiter "im Moment schaut es so aus, dass die betrieblichen Kindergärten hier eine große Lücke schließen, aber eigentlich ist es nicht die Aufgabe der Unternehmen einzuspringen, wenn der Staat seine Aufgabe nicht erfüllt." Therese Niss ist Digitalisierungsbeauftragte und nicht die Frauenreferentin ihrer Partei, trotzdem sind ihr die Agenden wichtig. Sie stimmt Hager-Hämmerle zu und ergänzt: "Ich glaube wir müssen es schaffen, in Bezug auf das Management von Vereinbarkeit, Familie und Beruf die Väter stärker einzubeziehen. Das fängt schon mit der Kindererziehung an, dass Mädchen und Burschen gleich erzogen werden und sich auch die Aufgaben im Haushalt teilen."

Gabriele Heinisch-Hosek betont, "dass es endlich gleiche Gehälter für gleiche und gleichwertige Arbeit geben muss." Ein erster Schritt in diese Richtung, sei mit den Einkommensberichten gemacht worden, zukünftig möchte sie erreichen, "dass nicht mehr die Frauen darlegen müssen, dass sie nicht diskriminiert werden, sondern wie in Island schon üblich, die Unternehmen aufzeigen sollen, dass es in Sachen Bezahlung keine Diskriminierung gibt." Auch Maria Stern schaut gerne auf Island und Schweden: "Wenn man in Schweden als Mann befördert werden möchte und Vater und nicht zu Hause geblieben ist, bekommt man ein Problem." Dort wird gefragt: "Was? Du bist nicht bereit gewesen für dein Kind Verantwortung zu übernehmen? Wie willst du denn da eine Firma leiten?", erläutert Stern und fordert einen entsprechenden Paradigmenwechsel in Österreich, über den Papamonat hinaus zur Normalität von Vätern, die genau wie Mütter Teilzeit arbeiten. Eva Ernst-Dziedzic von den Grünen ist u.a. die "Diversifizierung von Ausbildungswegen und Berufswahl von Mädchen" wichtig. " Da fällt natürlich auch eine neue Arbeitsplatzbewertung darunter, was diese sogenannten frauentypischen Branchen anbelangt", ergänzt sie noch. Außerdem "wissen wir, dass rund 50% der Frauen die Teilzeit arbeiten sagen, dass sie gerne mehr arbeiten würden, wenn sie die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung hätten, besonders am Land", führt Ernst-Dziedzic weiter aus.

In weiterer Folge wird schnell klar, wie viel es noch zu tun gibt. Der Ausbau der Ganztagsschule, existenzsichernde Jobs für Frauen, die Umverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit, die Stärkung von Homeoffice und Flexibilität für Frauen und Männer speziell, wenn sie am Land leben oder auch ein automatisches Pensionssplitting mit der Option sich aktiv dagegen entscheiden zu müssen, werden als wichtige Hebel auf dem Weg Richtung Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt und in der Wirtschaft genannt. Ein großes Thema ist auch der Auf- und Ausbau von digitaler Bildung und Kompetenz im Umgang mit digitalen Medien speziell für Frauen, aber auch für Männer. Auch Pädagoginnen und Pädagogen braucht man als Verbündete, wenn es um das Vermitteln von Gleichstellung gibt.

Während der gesamten Diskussion wurde auf einem überdimensionalen Plakat mittels Graphic Recording die gesamte Themenpalette mit Bildern und Text dokumentiert. Ein Blick auf das Gesamtwerk macht deutlich, wie viel noch in Sachen Gleichstellung am Arbeitsmarkt zu tun ist, aber auch wie viele Ideen und Forderungen die Politikerinnen mitbringen. Der ABZ*Circle wird weiterhin aktiv sein und nach einiger Zeit wieder nachfragen, in der Hoffnung einige Punkte auf der nächsten Liste als schon erledigt streichen zu können.