Sprachtalent mit technischer Affinität

Sprachtalent mit technischer Affinität

CAD-Konstruktionen. Mechanik. Informatik. Was bei manchen ein Fragezeichen oder Schweißperlen auf der Stirn auslöst, kann Irina Mayerhofer nicht aus dem Konzept bringen. Zwei Jahre lang hat sie in Hollabrunn das Kolleg Mechatronik besucht und im Oktober erfolgreich abgeschlossen.

Unterstützt wurde sie dabei von den Mitarbeiterinnen des FiT-Zentrum Weinviertels, das durch das AMS Niederösterreich finanziert wird.

"Ich lerne grundsätzlich gerne"

Angefangen hat alles mit einer Postwurfsendung. Denn durch diese hat Irina Mayerhofer zum ersten Mal vom FiT-Programm gehört. Das Programm unterstützt Frauen bei ihrem Weg in Handwerk und Technik. An Technik interessierte Frauen werden dabei durch Beratung, Ausprobieren von handwerklichen Arbeitsabläufen, sowie durch Auffrischung und Ergänzung der Schulfächer Mathematik, EDV, Physik, Chemie und technisches Zeichnen auf eine mögliche Ausbildung oder einen Beruf im Bereich Handwerk und Technik vorbereitet. So war es auch bei Irina Mayerhofer. "Für mich war das sehr gut, um zu wiederholen und Neues zu lernen. Wir haben auch in der Werkstatt gearbeitet und viel Technisches gemacht - das war super. So haben die Trainerinnen gesehen, wer geeignet ist und wer nicht. Es gab auch Tests nach jedem Kursabschnitt und Feedback." Bei Irina Mayerhofer war das Feedback klar: Die Eignung ist definitiv vorhanden. "Ich lerne grundsätzlich sehr gerne neue Sachen. Das hat mich gereizt", berichtet sie von ihrem Beschluss, das Kolleg Mechatronik in Hollabrunn zu besuchen.

"Technik muss einen interessieren, weil sonst ist es noch schwieriger" (lachend)

Dabei war Hollabrunn ihre zweite Wahl, wie sie selbst sagt, denn das Bachelor-Studium in Wels für Technische Dokumentation hätte sie thematisch mehr gereizt, wie sie selbst sagt. Doch der weite Weg hat es unmöglich gemacht, jeden Tag zu pendeln, und auch ein Umzug kam für sie nicht in Frage. Irina Mayerhofer liebt Herausforderungen und hat deswegen das Kolleg in Hollabrunn begonnen. Intensiver Stundenplan, Gruppenarbeiten, Prüfungen und Seminararbeiten - was genau alles auf sie zukommt, das konnte sie davor nicht abschätzen und auch hier hat die lange Anfahrt ihren Alltag erschwert. "Das kann man sich davor nicht richtig vorstellen, wenn man es nicht durchgemacht hat. Man hat uns schon gesagt, dass es schwierig wird, aber ich dachte mir: Schauen wir mal! Aber erst wenn man da ist, sieht man, wie es wirklich ist. Für jeden ist es anders, ich habe beispielswiese den weitesten Weg ins Kolleg gehabt", berichtet sie aus dem Alltag während dieser Zeit. Unter der Woche studieren und am Samstag arbeiten - die vergangenen zwei Jahre waren straff durchgeplant und der Blick von Irina Mayerhofer war immer auf das klare Ziel gerichtet: Das Kolleg abschließen. Zeit für Familie, Haushalt oder Hobbys ist dabei wenig geblieben.

Wenn aufgeben keine Option ist!

Deswegen an Aufgeben zu denken, war für sie aber nie eine Option "Für mich ist die Frage gar nicht aufgekommen, ob ich aufhöre oder nicht. Das war für mich undenkbar - ich gebe mich nicht geschlagen, ich schaffe es um jeden Preis." Das viele Lernen, Dranbleiben und das Durchhaltevermögen wurden belohnt, seit Oktober hält sie das Diplom als Mechatronikerin in Händen. Hierher geschafft hätte sie es ohne die Unterstützung ihrer Studienkolleginnen und kollegen nicht, wie sie betont. Wissen vertiefen, Beispiele vergleichen - besonders der gute Zusammenhalt innerhalb ihres Jahrgangs hat sie bis zur Diplomverleihung gebracht. Dass sie das jemals tun würde, war für sie vor ein paar Jahren aber noch gar nicht klar. Denn eigentlich ist sie Lehrerin. In Kasachstan war sie als Deutsch- und Englischlehrerin tätig und hat an der Universität Wien das Studium der Übersetzerin und Dolmetscherin abgeschlossen. "Fremdsprachen haben mich schon immer interessiert, ich war nie mathematisch angehaucht, es hat mich immer eher zu Sprachen gezogen", berichtet Irina Mayerhofer mit einem Augenzwinkern. Das Interesse für die Technik kam dann während ihrer achtjährigen Tätigkeit als technische Übersetzerin. Trotzdem, sagt sie, musste sie im Kolleg bei Null anfangen. Zwei Jahre später schließt sie die Ausbildung mit dem Diplomarbeitsthema "Doppelpendeltribometer" ab. Und so schließt sich der Kreis vom anfänglichen Fragezeichen bis hin zum Expertenwissen. "Diese zwei Jahre waren sehr horizonterweiternd. Mein logisches Denken hat sich sehr verbessert und ich habe den Eindruck, ich kann jetzt Information viel schneller verarbeiten", berichtet sie von der Kompetenzerweiterung durch das Studium. Jetzt ist der Blick Richtung Zukunft gerichtet: "Ich suche etwas, wo ich mit dem Kopf arbeiten kann, und weniger, wo ich herumschraube", schließt sie das Gespräch ab.

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