"Eine Maschin' kann mir nicht zurückreden"

Eine Maschin' kann mir nicht zurückreden

Für eine neue Karriere ist es nie zu spät: Manuela Kozak kehrte der Gastronomie den Rücken und ist in der Kältetechnik in ihrem Element.

Es ist Freitag, 14 Uhr 30. Die Sonne brennt auf das Gebäude Firma Kratky in Wien-Döbling. Davor, im Schatten des Vordachs, zündet sich Manuela Kozak gerade eine Zigarette an. Sie ist mit ihrem Dienst fertig, mit der Arbeit aber noch nicht. Zuhause warten diverse Bücher für ihre Prüfung und ihr knapp zweijähriger Sohn. Manuela Kozak hat derzeit viel zu tun, das macht ihr aber nichts. Denn sie hat ihren Traumberuf gefunden – als Kältetechnikerin.

Vor elf Jahren, als 15-Jährige, war sie schon sehr an Technik interessiert. "Ich hab mein erstes Moped gemeinsam mit meinem Vater in alle Teile zerlegt und wieder zusammengeschraubt. Ich hab ihm genauso wie meine Brüder immer bei Arbeiten im Haus geholfen", erzählt sie. Dennoch entschied sie sich eher geschlechterkonform für eine Lehre zur Restaurantfachfrau. "Mein Onkel hat bei uns im Ort ein Gasthaus, da bin ich so reingedrückt worden", sagt sie. Damals wollte sie auch noch mit Menschen arbeiten und reisen. Immerhin landete sie in der gehobenen Hotellerie, im Hilton Vienna. Nach Ende der Lehre dann die Ernüchterung: das Heimweh nahm ihr die Lust am Reisen, die ständige Menschen-Servicierung begann sie zu nerven.

Kozak flüchtete vor der Gastronomie, war für eine Geldtransporter-Firma in der Geldzählung tätig, später kontrollierte sie Passagiere am Flughafen Schwechat. Dazwischen kehrte sie immer wieder in die Gastronomie zurück. Dann wurde sie arbeitslos: "Ich wollte unbedingt in das Programm Frauen in die Technik, denn Technik hat mich immer schon interessiert." Nach der Geburt ihres Sohnes und der Karenz war aufgrund der Bezirkszusammenlegung eine andere AMS-Regionalstelle für sie zuständig, "da wurde ich im Jänner angerufen, ob ich noch am FiT-Programm interessiert sei." Sie sagte freudig zu und kam so zum FiT-Zentrum von abz*austria in Korneuburg. In den Qualifizierungs- und Werkstattwochen lernte sie viel über sich selbst und ihr technisches Geschick. "Wir haben mit Holz, Metall und Elektronik gearbeitet, vieles gebaut. Und ich habe gemerkt, dass ich mit Metall und Elektro arbeiten will."

Kozak absolvierte Schnupperpraktika, bei einem Rauchfangkehrer – "das war nicht das Richtige für mich", – und bei einigen Kältetechnikfirmen, wie der ihres Schwagers. "Er hat mich auf die Idee gebracht, in die Kältetechnik zu gehen", sagt sie. Sie bewarb sich bei diversen Firmen für einen Ausbildungsplatz, ohne Erfolg. Eine Bewerbung schickte Kozak auch an die Firma Kratky – und erhielt auch da vorerst noch keine Antwort. Zufällig hatte ihre abz*Betreuerin einen Termin bei dem Geschäftsführer Harald Kratky, der sich entschuldigte, dass die Bewerbung noch nicht beantwortet wurde. Es klappte! Seit Juni macht Manuela Kozak über das FIT.Programm eine Ausbildung zur Kältetechnikerin. In zwei Jahren will sie damit fertig sein.

"Ich lerne jeden Tag so viel, fahre mit den Technikern zu Privatkunden und in Unternehmen. Wir entstören Klimaanlagen und Maschinen der Gewerbekälte." Am meisten Spaß hat sie am Tüfteln, "wenn ich herausfinden muss, warum etwas nicht funktioniert und wo die Lösung liegt." Der technische Leiter, mit dem sie meist unterwegs ist, hat ihr schon viel beigebracht. "Ich durfte Ventile tauschen, eine Klimaanlage mit Kältemittel befüllen und an den Manometer anschließen."

Was ihr im Vergleich zur Gastronomie besonders an der Technik gefällt? "Eine Maschin' kann mir nicht zurückreden. Ich schaff ihr an, was sie zu tun hat", lacht sie.

Beruf für Hartgesottene

Manuela Kozak regelt die Kinderbetreuung mit dem Vater des Kindes und der Oma. "Ohne sie würde es nicht gehen", sagt sie. Derzeit hat sie übliche Arbeitszeiten in Vollzeit, "nach Dienstschluss fahre ich aber oft noch beim Störungsdienst mit. Ich will so viel wie möglich lernen". Auch wenn sie dafür auf gemeinsame Zeit mit ihrem Sonn verzichten muss. Kozaks Chef Harald Kratky ist angetan von der ehrgeizigen Mitarbeiterin, wie er später beim Telefonat erzählen wird: "Sie hat mich beim Vorstellungsgespräch sehr beeindruckt. Sie ist sehr ehrgeizig, hartgesotten und keine Prinzessin. Und sie ist ja auch Unterstützung durch ihre Mutter." Gerade auf der Baustelle würde es oft länger dauern, mit der familiären Vereinbarkeit sei das nicht einfach. Hinzu komme: "Im Sommer ist jeder und jede bei uns unersetzlich, alle geben 120 Prozent. Krankenstand oder Urlaubstage wären da sehr schwierig für uns." Auf die Frage, wie er das Thema Frauen in der Technik sieht, sagt er: "Für diesen Beruf muss man der Typ sein. Manuela Kozak haut sich da rein wie ein Mann. Ich hab den Eindruck, das ist für sie so etwas wie eine Berufung."

Ohne das FiT-Programm hätte Kratky die Ausbildungsstelle im zweiten Bildungsweg allerdings nicht finanzieren können, sagt er: "Die Förderung war schon ein Anreiz für uns, wir sind nur ein kleiner Betrieb", sagt er.

Kratky möchte Manuela Kozak nach der Ausbildung übernehmen. Für die motivierte Auszubildende ist ihr neuer Beruf eine große Chance. "Kältetechnik wird in Zukunft immer gebraucht werden." Und langweilig? Wird ihr bestimmt nicht, glaubt sie. "Die Maschinen, die Ersatzteile werden immer weiterentwickelt. Und auch die Auflagen ändern sich ständig." Demnächst warten Prüfungen und die Berufsschule im recht weit entfernten Amstetten. "Aber ich weiß, wofür ich das alles auf mich nehme", sagt Manuela Kozak, ehe sie in ihr Auto steigt. Auf dem Weg in eine hoffnungsvolle Zukunft.

Hier geht's zum FiT-Zentrum Weinviertel.

Hier geht's zum Verein Frauen für Frauen.

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