Gebt den Vätern die Karenz

Gebt den Vätern die Karenz

Beim Workshop zu Elternteilzeit und Väterkarenz reflektierten TeilnehmerInnen über Rollen und falsche Glaubenssätze - und teilten ihre persönlichen Erfahrungen.

Seit 1990 dürfen Väter in Karenz gehen, wenn sie ihr Kind überwiegend selbst betreuen, seit 2004 haben sie auch rechtlichen Anspruch darauf. Die Zahl der männlichen Kindergeldbezieher steigt zwar, dennoch nützen nur wenige dieses Recht. Lag sie österreichweit 2014 noch bei 17 Prozent, sind es aktuell laut Familienministerium 19,4 Prozent. Bis 2018 soll der Anteil der Männer auf 25 Prozent steigen, so lautet zumindest das Ziel von Familienministerin Sophie Karmasin.

"Karenz und Teilzeitarbeit für Männer – vom Wollen zum Tun" – unter diesem Titel lud abz*austria zum Business-Frühstück inklusive anschließendem Nachmittagsworkshop für Interessierte, die Maßnahmen für mehr Väterbeteiligung in der Kindererziehung erarbeiten wollten.

Den Workshop leiteten Dagmar Kavsek-Allinger, Beraterin und Key Account Managerin bei abz*austria, und Co-Trainerin Sabina Haas. abz*austria begleitet Unternehmen mit der Roadmap KarenzManagement bei der Umsetzung von Karenz- und Wiedereinstiegsmaßnahmen – von der Karenzplanung bis zum erfolgreichen Wiedereinstieg.Die Zusammensetzung der TeilnehmerInnen war ungewöhnlich: darunter waren Diversity- und Gleichbehandlungsbeauftragte, ein Männerberater, Karenzväter, ein junger Mann, der nach fast vierjähriger Pflege der Eltern demnächst in einen Teilzeitjob einsteigt und Frauen, die in Vollzeit arbeiten und kinderlos sind.

Neu für alle: Papamonat

Die TeilnehmerInnen erhielten von der Rechtsanwältin Olivia Eliasz einen detaillierten Einblick in die rechtliche Lage von Elternteilzeit und Väterkarenz. Väter müssen mindestens zwei Monate in Karenz gehen bis längstens zum zweiten Geburtstag des Kindes. Seit März gilt die Familienzeit bzw. der Papamonat. Auf den Papamonat haben Bedienstete des Öffentlichen Diensts seit 2011 Anspruch, seit März können auch Unternehmen das auf freiwilliger Basis anbieten.

Im Workshop reflektierten die TeilnehmerInnen gängige Glaubenssätze, die Dagmar Kavsek-Allinger vorgab, wie etwa "Eine richtige Karriere geht nur in Vollzeit", "Väter in Karenz sind Exoten" oder "Teilzeitstellen erfordern einen hohen Organisationsaufwand". Das Fazit der TeilnehmerInnen: die Frage sei, was man unter Karriere verstehe und ob die große Karriere immer das Ziel sein müsse. Die Karenzväter fühlten sich zum Teil als Exoten, weil die Akzeptanz in der Gesellschaft noch nicht ganz angekommen ist. Bei der Frage zum Aufwand von Teilzeitjobs waren sich alle einig: das sei eine von Unternehmen häufig vorgeschobene Ausrede, der Aufwand würde sich in Grenzen halten, es sei alles nur eine Frage der Unterstützung durch die jeweiligen Vorgesetzten.

Auch die Frage, ob Väterkarenz Vorbilder brauche, wurde diskutiert. Ein Karenzvater aus einem österreichweit tätigen Konzernunternehmen meinte: "Vorbilder erleichtern vieles. Man kann sich auf sie berufen." Im Unternehmen seien vor ihm schon einige Kollegen in Väterkarenz gewesen, er hätte sich aber auch ohne sie dafür entschieden. Die Diversity-Managerin eines Baukonzerns erzählte: "Wir propagieren in unserem Unternehmen die Väterkarenz. Die Jüngeren nehmen das Angebot gern an, die Älteren machen es eher nicht." Das gelte allerdings nur für die Angestellten, unter den Arbeitern gebe es keine Karenzväter.

Kaum Karriereknick für Väter

Für Herrn E. und seine Frau war es klar, dass sich beide die Kinderbetreuung aufteilen. "Unsere ältere Tochter ist ein Pflegekind, da war ich neun Monate in Väterkarenz", erzählte er. Nach seiner Rückkehr in den Job hat der Sozialarbeiter sich für Elternteilzeit entschieden. Laut einer Studie von Joanneum Research aus dem Jahr 2013 gibt es für Väter nach dem Wiedereinstieg kaum einen Karriereknick - das kann er nicht ganz bestätigen: "Ich muss zugeben, ich habe jetzt weniger Verantwortung als davor in meinem Vollzeitjob, ohne mein Zutun", sagt er. Dieser Effekt käme beim Wiedereinstieg in Teilzeit häufig vor, bestätigte Dagmar Kavsek-Allinger. Herr E. hob lobend hervor, dass sein Arbeitgeber die Väterkarenz so unterstützt. "Damit kann man Mitarbeiter an sich binden", sagte er. Der junge Vater wird ab Jänner bei seiner zweiten Tochter wieder in Karenz gehen.

Herr K. hat mit seinem Arbeitgeber vereinbart, während der Väterkarenz manchmal abends und an Wochenenden zu arbeiten, um den Kontakt zu halten. Für die Väterkarenz hat er sich beim ersten Kind für zwei Monate entschieden, "das war aber nur ein längerer Urlaub, meine Frau war auch zuhause", erzählte er. Beim zweiten Kind ist er nun für sieben Monate zuhause, er steht kurz vor dem Wiedereinstieg. Anfangs hatte er befürchtet, den Anschluss zum Job zu verlieren, "da ich aber geringfügig weitergearbeitet habe, war das kein Problem. Ich habe auch privat Kontakt mit den Kollegen." Negative Reaktionen gab es weder aus dem beruflichen noch aus dem privaten Umfeld. "Es macht keiner, aber es versteht jeder", brachte er es auf den Punkt. Dass es auch mehr Männer machen, dafür will abz*austria auch künftig mit der Begleitung interessierter Unternehmen sorgen.

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.